Phytotherapie (Heilpflanzen)

Die Phyto­the­rapie, die Präven­tion, Linde­rung und Heilung von Krank­heiten mit Pflanzen, Pflan­zen­teilen und deren Zuberei­tungen, ist ein wichtiger Bereich der natur­wis­sen­schaft­lich orien­tierten Schul­me­dizin. Ursprüng­lich war die Phyto­the­rapie eine reine Erfah­rungs­heil­kunde. Bereits Jahrhun­derte vor Christus wurden die Heilwir­kungen von zum Beispiel Kümmel, Leinsamen oder Hanf beschrieben.

Auf Basis solcher empiri­scher Beobach­tungen entstand in vielen Kulturen eine tradi­tio­nelle Pflan­zen­me­dizin: So zum Beispiel auch im indischen Ayurveda, der über ein reiches System von sich gegen­seitig in ihrer Wirkung unter­stüt­zenden Heilpflanzen verfügt. Tradi­tio­nelle Phyto­the­ra­peu­tika werden oft nicht über Apotheken vertrieben. Der Nachweis ihrer Wirksam­keit und Unbedenk­lich­keit beruht überwie­gend auf prakti­scher Erfah­rung, Monogra­fien der Heilpflanzen und experi­men­tellen Auswer­tungen. Es gibt regis­trierte Arznei­mittel, weitaus öfter aber werden tradi­tio­nelle Pflan­zen­prä­pa­rate als Nahrungs­er­gän­zungs­mittel angeboten. Ein Problem ist deren äußerst unter­schied­liche Qualität: Empfeh­lens­wert sind aus meiner Sicht nur streng labor­kon­trol­lierte Präpa­rate, die einen gleich­blei­benden Mindest­ge­halt an Pflan­zen­in­halts­stoffen garan­tieren und im Hinblick auf Schad­stoffe unter­sucht sind.

Von der tradi­tio­nellen Pflan­zen­me­dizin unter­scheidet sich die so genannte moderne ratio­nale Phyto­the­rapie, die ausschließ­lich Arznei­pflanzen und deren Zuberei­tungen verwendet, die auf Grund wissen­schaft­li­cher (klini­scher) Studien über eine Zulas­sung nach dem Arznei­mit­tel­ge­setz verfügen. Ratio­nale Phyto­phar­maka unter­liegen dabei einer ähnlich strengen Überprü­fung wie chemisch-synthe­ti­sche Arznei­mittel und weisen eine exakte Dekla­ra­tion der Inhalts­stoffe auf. Aktuell stehen etwa 1.500 pflanz­liche Fertig­arz­nei­mittel, die überwie­gend apothe­ken­pflichtig sind, für eine große Bandbreite von Beschwerden und Erkran­kungen zur Verfü­gung. Gerade in der Frauen­heil­kunde werden sie sehr erfolg­reich einge­setzt.

Tradi­tio­nelle und moderne Phyto­the­ra­peu­tika gelten als sanfte Medizin, weil sie eher moderat und langfristig wirken und in der Regel weniger Neben­wir­kungen aufweisen als chemisch-synthe­ti­sche Medika­mente. Oft sind es Wirkstoff­ge­mi­sche, die eine größere thera­peu­ti­sche Breite errei­chen. Voraus­set­zung für den Behand­lungs­er­folg ist natür­lich auch hier die exakte Diagnose, Auswahl des geeig­neten Präpa­rats und adäquate Dosie­rung sowie die Beach­tung von Neben- und Wechsel­wir­kungen. Die Phyto­the­rapie gehört in Deutsch­land zu den vom Gesetz­geber anerkannten beson­deren Thera­pie­rich­tungen. Dagegen wird die Ayurve­di­sche Medizin von der Schul­me­dizin – anders als von der WHO – nicht anerkannt.