Phytotherapie (pflanzliche Arzneien)

Die Phyto­the­rapie, die Präven­tion, Linde­rung und Heilung von Krank­heiten mit Pflanzen, Pflan­zen­teilen und deren Zuberei­tungen (Extrakte, Tinkturen etc.), ist ein wichtiger Bereich der natur­wis­sen­schaft­lich orien­tierten Medizin. Zum Beispiel bei gastro­in­tes­ti­nalen Problemen, bei chronisch-entzünd­li­chen und aller­gi­schen Prozessen, bei hormo­nellen Störungen und vielem mehr können pflanz­liche Medika­mente und sekun­däre Pflan­zen­stoffe Beschwerden effektiv lindern. Gerade in der Frauen­heil­kunde stehen zahlreiche Phyto­prä­pa­rate als oftmals gute und besser verträg­liche Alter­na­tive zu chemisch-synthe­ti­schen Arzneien zur Verfü­gung.

Ursprüng­lich war die Phyto­the­rapie eine reine Erfah­rungs­heil­kunde. Bereits Jahrhun­derte vor Christus wurden die Heilwir­kungen von zum Beispiel Kümmel, Leinsamen oder Hanf beschrieben. Auf Basis solcher empiri­scher Beobach­tungen entstand in zahlrei­chen Kulturen eine tradi­tio­nelle Pflan­zen­me­dizin: So zum Beispiel auch im indischen Ayurveda, der über ein reiches System von sich gegen­seitig in ihrer Wirkung unter­stüt­zenden Heilpflanzen verfügt. Auch in Deutsch­land stehen nach dem Arznei­mit­tel­ge­setz regis­trierte tradi­tio­nelle pflanz­liche Arznei­mittel zur Verfü­gung. Ihre Wirksam­keit und pharma­zeu­ti­sche Qualität sind durch prakti­sche Erfah­rung belegt. 

Von der tradi­tio­nellen Pflan­zen­me­dizin unter­scheidet sich die moderne Phyto­the­rapie: Sie verwendet ausschließ­lich Arznei­pflanzen und deren Zuberei­tungen, die in wissen­schaft­li­chen Studien ihre Wirksam­keit bewiesen haben und über eine Zulas­sung nach dem Arznei­mit­tel­ge­setz verfügen. Diese so genannten ratio­nalen Phyto­phar­maka unter­liegen einer ähnlich strengen Überprü­fung wie chemisch-synthe­ti­sche Arznei­mittel und weisen eine exakte Dekla­ra­tion der Inhalts­stoffe auf.

Schwie­riger ist der Quali­täts­nach­weis bei Pflan­zen­prä­pa­raten, die als Nahrungs­er­gän­zungs­mittel (Lebens­mittel) ohne behörd­lich-pharma­ko­lo­gi­sche Überprü­fung vertrieben werden: Neben hervor­ra­genden, seriösen Produkten, die einen gleich­blei­benden Mindest­ge­halt an Pflan­zen­in­halts­stoffen nachweisen und zuver­lässig im Hinblick auf Schad­stoffe unter­sucht sind, werden auch unwirk­same bis hochgradig gesund­heits­schäd­liche Produkte angeboten. 

Pflanz­liche Arznei­mittel gelten als sanfte Medizin, weil sie eher moderat und langfristig wirken. Auch sie haben Neben- und Wechsel­wir­kungen, greifen aber im Vergleich zu chemisch-synthe­ti­schen Arzneien meist weniger störend in den Organismus ein. Die Phyto­the­rapie gehört in Deutsch­land zu den vom Gesetz­geber anerkannten beson­deren Thera­pie­rich­tungen